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Hochwasserereignisse im Land Bremen

Hochwasser bezeichnet nicht notwendigerweise einen gefährlichen oder außergewöhnlichen Zustand: so wird zum Beispiel der jeweils höchste Wasserstand während einer Tidephase in einem Gezeitengewässer auch als Hochwasser bezeichnet. Dies ist üblicherweise und somit auch im bremischen Stadtgebiet zwei Mal am Tag zu beobachten. Darüber hinaus aber werden natürlich auch außergewöhnliche und somit möglicherweise für Menschen, Tiere und Sachgüter gefährlich hohe Wasserstände in einem Fluss als Hochwasser bezeichnet: Sturmflut vom offenen Meer kommend und durch Starkwind verursacht und Binnenhochwasser aus dem Einzugsgebiet des Flusses, verursacht durch Niederschlag oder Schneeschmelze.

Sturmfluten

1962 -  Nächtliche Rettung aus dem Warfeld
1962 - Nächtliche Rettung aus dem Warfeld; Quelle: Pfeifer

In der älteren Vergangenheit haben Sturmflutereignisse (Julianenflut im Jahr 1164, Marcellusflut im Jahr 1219, Luciaflut im Jahr 1287, Allerheiligenflut im Jahr 1532, Weihnachtsflut im Jahr 1717) mehrere 10.000 Menschenleben an der Nordseeküste und auch in Bremen gefordert.
Bei der Februarsturmflut 1962 wurde in Bremen innerhalb kürzester Zeit eine Fläche von 50 km² überflutet, sieben Menschen verloren in Rablinghausen, Woltmershausen und Huckelriede ihr Leben. 5400 Katastrophenschutzhelfer waren in Bremen zur Menschenrettung und Deichsicherung eingesetzt.
In Bremerhaven wurde bei dieser Sturmflut ein Wasserstand von + 5,37 m NHN erreicht. Noch rechtzeitig war im September 1961 das Sturmflutsperrwerk an der Geeste zum Schutz der Stadt und der Geesteniederung in Betrieb genommen worden und konnte so eine Katastrophe verhindern.

Den höchsten, überhaupt in Bremen gemessenen Wasserstand erreichte das Tidehochwasser am 28. Januar 1994. Mit +5,43 m NHN am Pegel Große Weserbrücke lag es 2 cm höher lag als bei der Sturmflut von 1962. Diese Sturmflut trat zusammen mit einem hohen Abfluss aus der Mittelweser auf (rund 1.000 m³/s).

Überschwemmungsgebiete der Februarflut von 1962
Überschwemmungsgebiete der Februarflut von 1962; Quelle: Wasserwirtschaftsamt Bremen

Bei dem schweren Sturmflutereignis vom 6. Dezember 2013 wurde durch das Orkantief „Xaver“ mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 140 Stundenkilometern bei zwei aufeinanderfolgenden schweren Sturmfluten im Land Bremen ein maximaler Wasserstand von +5,29 m NHN am Pegel Weserwehr UW erreicht (zum Vergleich: der untere Weg an der Stadtstrecke liegt auf ca. 4 m NHN). Die Deiche hielten stand.
Bemerkenswert war auch das Sturmtief „Sabine“, welches im Februar 2020 insgesamt sechs aufeinanderfolgende Sturmfluten mit sich brachte: diese waren nicht hoch aufgelaufen, die Anzahl war jedoch außergewöhnlich.

Binnenhochwasser

Im Jahre 1880/1881 kam es ausgehend von der Mittelweser zu einem Jahrhundert-Hochwasser mit einem Abfluss von 4.200 m³/s. Normal ist ein Abfluss von 320 m³/s. Dieser gigantische Abfluss des Hochwassers von 1881 dient auch heute noch zur Bemessung für die Hochwasserschutzanlagen entlang der Mittelweser.

Weserdurchbruch 1981
Weserdurchbruch 1981; Quelle: Bundesanstalt für Wasserbau

Bei einem Binnenhochwasser im März 1981 kam es beim sogenannten „Weserdurchbruch“ letztmalig in Bremen zu einem Deichbruch. Durch Regen und Schneeschmelze ausgelöste Flutwellen aus der Ober- und Mittelweser brachten große Wassermassen mit sich - aus Verden wurde am 16. März ein Abfluss von 2650 m³/s gemeldet - die vom niedrigen Sommerdeich auf dem Stadtwerder nicht mehr gehalten werden konnten. Das Wasser suchte sich seinen Weg um das Weserwehr herum und richtete insbesondere in den Kleingartensiedlungen beiderseits der Weser großen Schaden an.