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Klimaschutz und CO2-Vermeidung bei der Entsorgung

Klimaschutz in der Bremer Abfallwirtschaft

Abfälle sind Rohstoffe, die bereits umgewandelt und verarbeitet vorliegen und oft für eine erneute Verwendung nur gereinigt und neu aufbereitet werden müssen. Bei jedem Abfall muss abgewogen werden, ob er unter ökologischen Bedingungen besser stofflich oder energetisch zu verwerten ist. Ziel ist es, aus Abfällen mit möglichst wenig Aufwand möglichst hochwertige neue Produkte zu gewinnen, egal, ob dies Kompost, Papier, Stahl, Betonzuschlag, Strom oder Wärme ist. So kann nicht nur ein wertvoller Beitrag zum Klimaschutz, sondern auch zur effektiven Ressourcenschonung geleistet werden.

Vier Abfallverbrennungsanlagen im Land sorgen für warme Stuben, Licht und Betriebsdampf. In diesen Anlagen können bis zu 1,2 Mio Tonnen Abfälle energetisch genutzt werden.

In der Stadt Bremen wird die Abwärme aus der Abfallverbrennung bereits seit Inbetriebnahme des Müllheizwerks 1969 genutzt, um die Universität, den angrenzenden Technologiepark und einige nahe gelegene Wohngebiete mit umweltfreundlicher Fernwärme zu versorgen. Der Wärmebedarf schwankt, 2011 wurden 193.300 MWh Wärme an die verschiedenen Kunden abgegeben. Reichte früher die alte Turbine gerade zur Eigenstromversorgung aus, konnte nach umfangreichen Modernisierungen 2004 die elektrische Gesamtleistung der Anlage auf 15,3 Megawatt gesteigert werden. Die inzwischen zur swb gehörende Anlage wird derzeit für eine deutlich höhere Energieausbeute umgebaut. Aufgrund der damit verbundenen Reduzierung der verbrannten Abfallmenge lag die Stromabgabe an Dritte 2011 mit 54.300 MWh deutlich unter dem Wert der Vorjahre.

Das ab 2009 in Betrieb genommene Mittelkalorik-Kraftwerk der swb am Standort Hafen für heizwertreiche Abfälle hat 2011 210.100 MWh Strom und 3.700 MWh Wärme an Dritte zur Nutzung abgegeben. Die Wärmeabgabe wird in den kommenden Jahren deutlich gesteigert.

Auch das MHKW der BEG in Bremerhaven erzeugt soviel Energie, dass rund 10% des Bremerhavener Strom- und rund 20% des Wärmebedarfs gedeckt werden können. 2011 waren es rund 63.400 MWh Strom und 187.500 MWh Wärme.

Das Heizkraftwerk der hkw Blumenthal GmbH versorgt vor allem umliegende Industriebetriebe, 2011 wurden hierfür 9.700 MWh Strom und 115.700 MWh Wärme bereit gestellt.

Alle 4 Anlagen überschreiten den sogenannten R1-Wert des neuen Kreislaufwirtschaftsgesetzes und sind als Anlagen zur energetischen Verwertung eingestuft.

Allerdings ist diese Form der Energieerzeugung mit fossilen CO2-Emissionen verbunden, die pro erzeugter Energieeinheit deutlich über denen des deutschen Strommixes liegen. Ursachen sind u.a. der trotz Kunststoffanteile vergleichsweise geringe Energiegehalt der Abfälle, ein höherer, auch energetisch zu Buche schlagender Aufwand zur Rauchgasreinigung und die trotz aller Modernisierungen gegenüber herkömmlichen Kraftwerken schlechteren Wirkungsgrade von Abfallverbrennungsanlagen. Die Konsequenz ist allerdings nicht die Einstellung der Verbrennung, im Gegenteil: Verbrannt werden nur solche Abfälle, die anderweitig nicht mehr genutzt werden können. Die Ablagerung dieser Abfälle und damit auch das Vergraben zur Energieerzeugung geeigneter Anteile ist seit dem 01.06.05 verboten. Schlimmer noch: Durch Zersetzungsprozesse auf der Deponie würden nach und nach große Mengen des gegenüber CO2 21 mal klimaschädlicheren Methans und andere Gase in die Atmosphäre entweichen, auch bei allen Bemühungen der Deponiegaserfassung. Die Verbrennung ist somit gegenüber allen anderen Formen der Entsorgung solcher Abfälle die ökologisch weitaus günstigste Form und spart an anderer Stelle Energieträger ein.

Auf der seit 1969 betriebenen Blocklanddeponie in Bremen wurden in früheren Jahren größere Mengen Abfälle mit organischen Bestandteilen abgelagert. Obwohl diese Menge seit Anfang der 90-er Jahre deutlich zurückgegangen ist und seit Juni 2005 keine zersetzungsfähigen Abfälle mehr abgelagert werden dürfen, finden noch immer biologische Abbauprozesse im Deponiekörper statt, sowohl im alten wie im 1991 in Betrieb genommenen neuen Deponieabschnitt. Das dabei entstehende Deponiegas wird seit vielen Jahren erfasst und verstromt. Allerdings sind die Gasmenge und somit auch die Stromproduktion rückläufig. Durch die Verbrennung wurden 2011 ca. 1.300 MWh an Strom ins Netz abgegeben sowie Wärme für die Betriebsgebäude auf der Deponie.

Seit 2010 befinden sich auf den Dächern der Betriebsgebäude Solarzellen, die 2011 rund 55 MWh Strom erzeugt haben. Im Dezember 2011 ist auf einer Fläche von ca. 1 Hektar auf einer inzwischen abgedichteten Teilfläche des alten Deponiekörpers eine Photovoltaikanlage in Betrieb gegangen, die ca. 700 MWh jährlich an Strom erzeugen wird. Ein weiterer Ausbau im Rahmen der Stilllegung der Blocklanddeponie ist vorgesehen.

Durch die energetische Nutzung von Biogas aus der Kompostierung ließen sich in Bremen je nach Technologie rechnerisch 2.000-3.000 Tonnen CO2 pro Jahr vermeiden. Es wird derzeit geprüft, ob und in welcher Weise dieses Potential unter den gegebenen Rahmenbedingungen kurzfristig genutzt werden kann.